Projekte

Projekt Auswahl 2011

> Delme Kicking Girls

> Neue Räume

> Mutter-Tochter-Projekt



Integration durch Fußball fördern

Sport Grundschülerinnen spielen bei Turnier in der Wehrhahnhalle

Die Grundschülerinnen zeigen beim Fußball-Turnier in der Wehrhahnhalle vollen Körpereinsatz. BILD: Privat
von Julia Lißewski

Delmenhorst - Selbstvertrauen gewinnen und sich näher kommen – das sind die zentralen Aspekte, die mit dem Integrationsprojekt „Delme Kicking Girls“ erreicht werden sollen. „Der wichtigste Baustein dafür ist der Fußball“, erklärt Lutz Gottwald von der Leitstelle Integration der Stadt Delmenhorst und Initiator des Projektes.
Dafür wurde am Montag in der Wehrhahnhalle das erste Fußballturnier des Projektes veranstaltet. Sechs Mannschaften mit insgesamt 36 Mädchen der Grundschulen Astrid- Lindgren, Am Grünen Kamp, Iprump-Stickgras und Parkschule traten dort gegeneinander an. Gespielt haben die Dritt- und Viertklässlerinnen im „Jeder gegen Jeden“-Modus.
Als Sieger gingen die Mädchen der Parkschule hervor. Sie heimsten die meisten Siege ein. Der zweite Platz ging an eine der zwei Mannschaften der Grundschule Iprump-Stickgras. Den dritten Platz haben die Fußballerinnen der Astrid-Lindgren-Schule für sich behauptet. Um die Siege sei es aber in erster Linie nicht gegangen. „Die Mädchen sollten sich näher kennen lernen und eine Gemeinschaft bilden“, sagt Lutz Gottwald. Besonders geeignet sei dafür der Fußball. „Der Sport hat einfache Regeln, das ist nicht so schwer für die Mädchen“, so Gottwald. Die Mannschaften seien darüber hinaus auch sehr gemischt. Mädchen mit sowie ohne Migrationshintergrund haben zusammen gespielt.
Hinter jeder Mannschaft steht jeweils auch ein Sportverein, der die Spielleiterin stellt. „Wir hoffen, dass die Mädchen ihre Begeisterung am Fußball entdecken und im Laufe des Projektes fest in einen Verein eintreten wollen“, sagt Gottwald.

Nach diesem ersten Turnier, das von Tobias Kanzok und Bianca Otto von der Jugendhilfe- Stiftung organisiert wurde, sollen noch weitere folgen. Vorerst ist für das Projekt „Delme Kicking Girls“ eine Laufzeit von drei Schuljahren geplant.

Quelle veröffentlicht am 13.12.2011:
http://www.nwzonline.de/Region/Stadt/Delmenhorst/Artikel/2758502/Integration-durch- Fu%DFball-f%F6rdern.html



Geborgenheit in „Männerrunde“ und „Mädchencafé“

Projekt Sozialarbeiter an der Grundschule Am Grünen Kamp helfen Kindern und Eltern bei Problemen

Bedanken sich für ihr neues Mädchencafé: Loreen (11, links) überreicht mit Freundin Nelis (10) Blumen an die Sozialarbeiter Tobias Kanzok und Svenja Wolf. BILD: Annika Richter

Seit Herbst machen sie Sozialtraining und Nachmittagsangebote. Dies tun sie in extra umgestalteten Räumen.
von Annika Richter

Delmenhorst - „Lehrer sind dafür da, Kindern Lesen, Schreiben und andere Kulturtechniken beizubringen“, sagt Karen Ebers, Schulleiterin der Grundschule Am Grünen Kamp. „Aber damit die Kinder das auch wirklich lernen, brauchen sie Sicherheit und Geborgenheit. Sie müssen sich angenommen fühlen.“

Oft geht dieses Gefühl im Alltag verloren – Streitigkeiten unter Mitschülern oder Probleme in der Familie sind häufige Gründe dafür, dass Kinder nicht mehr richtig dem Unterricht folgen können. Die Lehrer sind aber teilweise damit überfordert, sich um die Probleme aller ihrer Schüler zu kümmern und auf jeden individuell einzugehen.

Darum gibt es seit vergangenem Herbst zwei Sozialarbeiter an der Grundschule in Düsternort, die Ebers als „Brennpunktschule“ bezeichnet. „Wir haben hier einen Migrationsanteil von 53 Prozent und einen Anteil von Hartz IV-Empfängern von 38 Prozent“, sagt sie. Umso besser findet sie, dass sie „in den Genuss“ der beiden Sozialarbeiter Tobias Kanzok und Svenja Wolf kommt. Sie sind bei der Delmenhorster-Jugendhilfe-Stiftung angestellt und arbeiten in Vollzeit an der Schule. Und nun haben sie auch frisch umgestaltete Räume, in denen sie sich um die Schüler kümmern können. In der alten Schulwohnung, aus der der Hausmeister vor zweieinhalb Jahren ausgezogen ist, haben sie sich eingerichtet.

Denn sie bieten nicht nur Sozialtraining in der Schulzeit, sondern haben auch Nachmittagsangebote wie Sportspiele oder eine Foto AG. Außerdem helfen sie Streitigkeiten zu lösen und hören bei Problemen zu. Dies geschieht zum Beispiel im „Mädchencafé“, das hauptsächlich in Pink gestaltet ist. Für die Jungs der ersten und zweiten Klassen gibt es den „Jungs-Club“, für die dritten und vierten die „Männerrunde“, in der auch schon mal über Gefühle und Aufklärung gesprochen wird. „Über diese Themen reden die Jungs ungerne mit ihren Lehrerinnen. Da kommen sie lieber zu mir“, sagt Kanzok.

Unliebsame Themen – wie Probleme mit den Kindern – können auch die Eltern mit den Sozialarbeitern besprechen, die eigens dafür eine extra gemütliche Sitzecke in ihren neuen Räumen eingerichtet haben. Den Eltern können Kanzok und Wolf soziale Unterstützung anbieten oder sie an andere Institutionen vermitteln.

Quelle veröffentlicht am 21.Mai 2011:
http://www.nwzonline.de/Region/Stadt/Delmenhorst/Artikel/2609627/Geborgenheit-in- Maennerrunde-und-Maedchencaf.html



Mutter-Tochter-Projekt

Mutter-Tochter-Projekt von Oktober – Dezember 2011 an der Parkschule in Delmenhorst

Das Mutter-Tochter-Pojekt wurde mit 8 Paaren durchgeführt (50 % mit Migrationshintergrund). Es gab insgesamt 11 Veranstaltungen, die von allen Beteiligten, sofern möglich, wahrgenommen wurden (Abmeldung bei Nichtteilnahme, so dass die Teilnehmer-Zahl schwankte zwischen 1 x 10 TN,1 x 8 TN, 2 x 12 TN, 3 x 14 TN, 3 x 16 TN, 1 x 18 TN (1 Paar zusätzlich einmalig)) Die Zuverlässigkeit der Teilnahme lag auch an der Hartnäckigkeit einiger Töchter, denen es ganz wichtig war, mit ihrer Mutter etwas zusammen zu machen. Es wurde bei der Vorbesprechung mit den Müttern darauf geachtet, dass bei mehreren Kindern möglichst die Kinder zum Zuge kommen, die es besonders brauchen könnten. Für die Veranstaltungen, die in der Schule stattfanden, gab es zusätzlich das Angebot der Kinderbetreuung für Geschwisterkinder, die anderweitig für diesen Zeitraum nicht unterzubringen waren.

Die Einführungsveranstaltung diente dem gegenseitigen Kennenlernen innerhalb der Gruppe und der vertieften Wahrnehmung der Beziehung unter den Paaren. Beziehungsübungen und –spiele, mit ihrer Einladung zur Freude, halfen, Fremdheit abzubauen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Es war insgesamt eine warme, annehmende Atmosphäre entstanden, die eine gute Voraussetzung für das weitere Miteinander bildete.

Der Besuch beim „Botanika“ in Bremen ermöglichte gemeinsames und wissenswertes Dazulernen (Führung durch die Schmetterlingswelt), Erleben in einem unbekannten Umfeld, Interaktionsspiele: eine Reise durch die Welt (wo Schmetterlinge zuhause sind) und diverse Spiele, die nur funktionierten, wenn sich die Mutter-Tochter-Paare aufeinander einließen. Die von einer Kunsttherapeutin angeleiteten und begleiteten Mal- und Arbeit mit Ton –Angebote waren der innerlichste Teil des Projektes, sein „Herzstück“. Hier wurde ein Raum geschaffen, Ängste vor dem eigenem Ausdruck (das kann ich nicht, nicht gut genug …) zu überwinden, sich zu trauen und die Erfahrung zu machen, mit nichtverbalem Tun gesehen und verstanden zu werden. Es war zu erleben, wie den„Unsicheren“ Mut zugesprochen wurde, meist von anderen Müttern, und der gegenseitige Respekt den Ergebnissen gegenüber, so unterschiedlich sie auch waren, war danach wie selbstverständlich. Mit jedem weiteren Treffen wurden die Teilnehmerinnen in ihrem Ausdruck sicherer. Die entstandenen Bilder und Figuren bildeten eine gute Grundlage um miteinander ins Gespräch zu kommen, voneinander etwas zu erfahren.

Der Besuch des Filmfestes in Delmenhorst mit dem Film „Almanya – Willkommen in Deutschland“ bot guten Stoff, um über eigene Erfahrungen zu reden, nachzufragen, sich auszutauschen, zum Thema Lebensplanung im vertrauten oder fremden Umfeld, seinen eigenen Weg gehen (wollen), alten Traditionen und Wandel, Grenzen und Möglichkeiten des eigenen Weges.

Auf den Besuch im Staatstheater Oldenburg „Die unendliche Geschichte“ (Michael Ende) wurden die Teilnehmerinnen mit Hilfe einer Medienkompetenztrainerin eingestimmt. Neben der inhaltlichen Bedeutung des Stückes, war es für viele ein ganz besonderes Ereignis, in einem Theater zu sitzen – für einige Mütter das erste Mal in ihrem Leben. Der Besuch des Bowling-Centers in Delmenhorst diente dem freudigen, ungezwungenen Miteinander und offenbarte Qualitäten auf einer bis dahin noch nicht wahrgenommenen Ebene.

Den Projektabschluss bildete der von den Teilnehmerinnen gewünschte Ausflug nach Hamburg (einfach mal weiter weg fahren) zum Weihnachtsmarkt. Hier war es eine wirkliche Herausforderung, aufeinander acht zu geben, sich nicht im Getümmel zu verlieren. Im anschließenden Abschlussgespräch ließen wir die Erfahrungen dieser intensiven drei Monate noch einmal Revue passieren. Alle waren sich einig, dass es eine gute Zeit war. Als Unterstützung für eine weiterhin intensive Mutter-Tochter-Begegnung bekam jedes Paar zum Abschluss ein Buch geschenkt, zum gegenseitigen Vorlesen (die Tochter der Mutter oder umgekehrt). Da jedes Paar ein anderes Buch erhalten hatte, wurde angeregt, die gelesenen Bücher unter den Teilnehmerinnen auszutauschen, als Unterstützung für ein in Kontakt bleiben nach dieser Projektzeit.

Beatrix Sommer
NiKo – Fachkraft an der Parkschule in Delmenhorst